Loriot
Von „Möpsen“ und „Nasenmännchen“
konnte er gut Leben – LORIOT, Deutschlands größer Humorist
„Guten Tag, mein Name ist Lohse, ich kaufe hier ein!“
Loriot! Da fallen sofort
charakteristische Sprüche ein wie „Ein Klavier, ein Klavier, …
Mutter wir danken dir!“, „Guten Tag, mein Name ist Lohse, ich
kaufe hier ein!“, „Krawel, Krawel!“, „Da habe ich was fürs
Leben, etwas das nur mir gehört … mein Jodel-Diplom“, „Es
saugt und bläst der Heinzelmann, wo Mutti sonst nur blasen kann“,
„Mit Ihnen teilt meine Ente das Wasser nicht!“, „Sei doch mal
gemütlich!“, „Früher war mehr Lametta!“, „Sagen Sie jetzt
nichts!“, „So nicht! Nicht in diesem Ton!“, „Eben warst du
noch Kind und jetzt bist du schon fast erwachsen!“, „Was ist denn
hier los? Der Mann isst!“, „Lassen sie doch mal das Kind vor!“,
„Nicht in diesem Ton!“ und „Leben hier überall in den Kellern
Männer mit Ihren Eisenbahnen?“.
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Loriobrunnen in Münsing - - Foto: Helga Waess (Pressefoto-Archiv) |
Loriots "Herren im Bad" haben es in Lebensgröße sogar auf den Münsinger Platz am Bach gebracht
Mit dem Loriot-Brunnen in Form eben jener Badewanne wurde dem Ehrenbürger der Gemeinde Münsing am Starnberger See ein würdiges Denkmal gesetzt.
Loriot, der große Zeichner und wohl
berühmteste Humorist Deutschlands, der mit bürgerlichem Namen
Vicco von Bülow hieß, schrieb in seiner selbst verfassten Vita:
„... Ferner schenkte ich meiner Frau
einen Hund und ein Kind. ...“
Und das war es: Loriot brachte das
scheinbar nebensächliche auf den Punkt. Er konnte zeichnen und hat
es studiert, hatte einen Führerschein und alles andere, was ein
Lebenslauf hergeben soll, wieso sollte der Hund und das Kind als
Geschenk an seine Frau nicht ebenso wichtig sein, wie alles andere.
MÖPSE waren sein Thema
Sein großes Thema und seine ganze
Tierliebe galt den Möpsen: „Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber
sinnlos.“ Der Humorist und seine ganze Familie liebten diese
Hunderasse. In Loriots Zeichnungen nehmen Möpse menschliche
Verhaltensweisen an, sie singen und tanzen, sie sitzen in
einem Tulpenkelch oder werden wie ein Ei von einer Ente bebrütet.
Loriots Gäste buch wurde nie fertig!
Berühmt, gefürchtet und belächelt
wurde Loriots Gäste-Fotoshooting-Ecke mit Säule und Requisiten. An
ihr kam keiner seiner Gäste vorbei, sagt man. Es gab ein Regal, aus
dem konnte jeder Gast sich ein Requisit aussuchen und sich dann vom
Gastgeber fotografieren lassen, das wünschte Loriot von seinen
Gästen.
Und so kam es zu Fotos, wie Rainer
Penkert (Schauspieler und Antiquitätenhändler) mit Kaffeemütze auf
dem Kopf (1960), Jürgen von Kornatzki mit Badehose und weißem
Oberhemd im Napoleon-Gestus (1968), Manfred und Jutta Schmidt
(Karikaturist und Autor mit Frau) sehen durch einen Bilderrahmen
(1958), Horst Buchholz (1958) posiert ebenso wie Marianne Koch (1958)
und Gustav und Hilda Heinemann (1973).
Sie schauen ernst oder lächeln, sind
spontan lustig oder unsicher, posieren mit geknickten Beinen und
leeren Schnapsflaschen, oder mit Mops, Kind und Zigarette. Walter
Giller steht 1968 Kopf neben Säule und Nadja Tiller stabilisiert
seine Haltung.
Wir konnten bei diesem Versuch fühlen,
dass Loriot bei seinen Gästebuchshootings viel Vergnügen hatte.
Zeichnungen von Loriots
NACHTSCHATTENGEWÄCHSEN
Loriot hat sich mit allem
auseinandergesetzt und er hat alle Phasen des Lebens gelebt und
interpretiert. Schließlich auch jene letzte lange Phase des
langsamen Altern:
„Man ist länger alt, als man jung
ist! - oder umgekehrt?“
Er zeichnete komplexe Universen von
Traumwelten, die wie Schatten daherkommen. Schattiger Humor!
„Möpse“ und „Nasenmännchen“
„Möpse“ und „Nasenmännchen“
ließen ihn gut leben, den Karikaturisten und Zeichner mit dem ganz
eigenen Humor. Aber es gab auch Absagen. Anfangs, als er seine
Karikaturen den Magazinen offerierte. …. Ablehnungen, weil „nicht
jeder seinen Humor“ verstünde, weil er „keine Frauen zeichnen“
könne oder weil sie „zu brutal“ waren.
Was macht man mit soviel Kreativität
und Können?
Auf einem Blatt sitzt eine
Nasenmännchen-Frau auf einer einsamen kleinen Insel. Text:
„Schreibmaschine und Stenographie beherrscht sie fließend, was
soll sie jetzt tun?“