München - Der Ruf als Kunststadt und Isar-Athen wurde von Ludwig I. begründet
Ludwig I. erträumte sein „Isar-Athen” und legte den Grundstein für "München als Kunststadt" in Deutschland - 700 Gemälde erzählen in der Alten Pinakothek von 400 Jahren Kunstgeschichte ...
Am 7.
April 1826 vor 200 Jahren wurde in München der Grundstein der Alten
Pinakothek gelegt - sie sollte die Wittelsbacher Gemäldesammlungen
ausstellen
MÜNCHEN. König Ludwig I. legte erbaute sein Isar-Athen, das bis heute im Kunstareal Besucherinnen und Besucher aus aller Welt anzieht. München ist bei einem Deutschlandbesuch ein Muß für die internationalen Gäste. Am 7. April 1826, vor genau 200 Jahren, wurde der Grundstein für eines der bedeutendsten Museumsgebäude Europas gelegt: die Alte Pinakothek. Der 7. April war bewusst gewählt worden, handelte es sich doch um den Geburtstag des Malers Raffael (Raffaello Santi), „dessen Genius die höchste Vollkommenheit in der Malerey erreicht hat“, wie es in der begleitenden Rede hieß. Mit diesem historischen Moment im Jahr 1826 konkretisierte sich die Vision von König Ludwig I., der München zu einem Zentrum der Kunst und Kultur von internationalem Rang entwickeln wollte: „Ich will aus München eine Stadt machen, die Teutschland so zur Ehre gereichen soll, dass keiner Teutschland kennt, wenn er nicht München gesehen hat.", indem er in der Nachbarschaft der 1816 gegründeten Glyptothek als Museum für antike Skulpturen eine Pinakothek für die Meisterwerke aus den Wittelsbacher Gemäldesammlungen errichten ließ.
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| Pinakothek der Moderne und Alte Pinakothek (unten rechts) - Collage und Fotos: Helga Waess |
Ludwig I. erträumte sein „Isar-Athen” und legte den Grundstein für "München als Kunststadt" in Deutschland
Ursprünglich nicht zuletzt aus Brandschutzgründen vor den Toren der Stadt München in Zusammenspiel mit dem Königsplatz als Teil eines von Ludwig I. erträumten „Isar-Athens” geplant, bildet der Backsteinbau der Alten Pinakothek heute das Herzstück des Kunstareals. Für seine Sammlung an zeitgenössischer Kunst ließ Ludwig I. 1853 in direkter Nachbarschaft die „Neue“ Pinakothek errichten und schuf mit dieser Konzentration hochrangiger Sammlungs- und Ausstellungsgebäude – die nach Art eines korinthischen Tempels errichtete, heutige Antikensammlung wurde ab 1838 gebaut – die Voraussetzungen für ein Museumsviertel, das der Bildung der Bevölkerung dienen sollte, aber auch Münchens weltweiten Ruf als Kunststadt begründete.
Bis heute gilt die von dem bedeutenden Architekten Leo von Klenze im Stil der Neo-Renaissance entworfene Alte Pinakothek als Meilenstein der Museumsarchitektur
Bereits bei ihrer Eröffnung im Jahr 1836 setzte sie neue, wegweisende Maßstäbe: Erstmals wurde ein Museumsgebäude mit Oberlichtsälen entworfen, das im Museumsbau international zum Vorbild wurde: Klenze konzipierte verglaste Dachaufbauten, die Dachlaternen, durch die das Tageslicht in großzügig bemessene Säle fiel. Sie waren für die weltberühmten Meisterwerke bestimmt, die durch die Sammelleidenschaft der Wittelsbacher über die Jahrhunderte zusammengetragen worden waren. Ergänzt wurden sie durch Kabinette auf der Nordseite.
So entstand ausreichend Raum für rund 700 Werke, anhand derer das Publikum bis heute 400 Jahre Geschichte der europäischen Malerei vom Mittelalter bis zum ausgehenden Rokoko erleben kann. Als Maßstab für die Proportion der Säle diente das über sechs Meter hohe „Große Jüngste Gericht” von Peter Paul Rubens. Es hängt bis heute unverändert im Rubenssaal, als Teil einer der weltgrößten Rubenssammlungen, die zusammen mit den Werken der Altdeutschen Malerei zu den Höhepunkten der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen gehört.
Nach starker Beschädigung in den Jahren 1943 und 1944 wurde der Wiederaufbau durch den Architekten Hans Döllgast von 1952 bis 1957 durchgeführt
Hans Döllgast kämpfte für den Erhalt der Kriegsruine und legte Planungen zu einer Wiederherstellung vor, die durch die Wahl andersfarbiger Ziegel und vereinfachter Formen die Zerstörungen sichtbar ließ. 1953 gründeten Münchner Bürgerinnen und Bürger einen Verein, um den Wiederaufbau mit privaten Mitteln zu fördern. Bis heute zählt der Pinakotheks-Verein zu den maßgeblichen Unterstützern der Alten und seit 1979 auch der Neuen Pinakothek.
Döllgast verlegte den Haupteingang an die Nordseite und schuf eine großzügige Eingangshalle
Die einst mit Wandmalereien gestalteten Loggien an der Südseite ersetzte er durch eine monumentale Treppenanlage, die heute als beliebte Bühne und Motiv-Hintergrund für Fotoshootings und Selfies dient. Das ehemalige Vestibül und das Haupttreppenhaus auf der Ostseite wurden aufgegeben und zu Ausstellungssälen transformiert. Insgesamt blieb die Gebäudestruktur jedoch erhalten. Den markantesten Eingriff stellt neben dem Einbau der Treppenanlage die Überformung der Südseite dar, wo heute schlanke Stahlsäulen und schlichtes Mauerwerk statt Ornamenten die Kriegsschäden sichtbar machen.
Diese Art des Wiederaufbaus, bei dem die Außenmauern mit unverputzten Trümmerziegeln so ergänzt wurden, dass die Bombenschäden als „Verletzung“ des KlenzeBaus erkennbar blieben, macht die Alte Pinakothek zu einem eindrucksvollen architektonischen Zeugnis der Erinnerung und zu einem Beispiel des Bauens unter demokratischen Vorzeichen in der noch jungen Bundesrepublik. Damit wirkt sie bis heute als Mahnmal, auch für die kommenden Generationen.
Die Sammlung der Alten Pinakothek zählt zu den bedeutendsten der Welt
Sie umfasst Meisterwerke europäischer Malerei vom 14. bis zum 18. Jahrhundert, darunter Werke von Albrecht Dürer, Lucas Cranach d. Ä., Leonardo da Vinci, Raffael, Peter Paul Rubens, Anthonis van Dyck, Rembrandt, Murillo und François Boucher. Mit beinahe einer halben Million Besuchenden im Jahr 2025 gehört die Alte Pinakothek zu den meistbesuchten Häusern im Kunstareal und steht als „Must See“ auf beinahe jeder Liste der Tourist:innen in München.
Das 200-jährige Jubiläum der Grundsteinlegung ist nicht nur Anlass zur Rückschau, sondern auch zur Würdigung der nachhaltigen kulturellen Bedeutung dieses Hauses
Die Alte Pinakothek steht bis heute für die Verbindung von architektonischer Innovation und künstlerischem Erbe – und bleibt vor den Originalen wie digital ein lebendiger Ort der Begegnung mit der Kunst.
Aktuelle Ausstellungen
in der
Alten Pinakothek in München
- Wie Bilder erzählen: Storytelling von Albrecht Altdorfer bis Peter Paul Rubens
- Von Turner bis van Gogh. Meisterwerke der Neuen Pinakothek in der Alten Pinakothek
- Stolzer Strauß und wütender Tiger. Tierbronzen des 19. Jahrhunderts
Mit einem vielfältigen Programm aus Ausstellungen, Führungen und Veranstaltungen lädt die Alte Pinakothek im Jahr 2026 dazu ein, ihre Geschichte neu zu entdecken und zugleich den Blick in die Zukunft zu richten.
Die Öffnungszeiten der Alten Pinakothek im Kunstareal
Täglich außer Montag: 10.00 - 18.00 Uhr
Dienstags und Mittwochs: 10.00 - 20.00 Uhr
Montags: geschlossen