Sonntag, 6. September 2026

Naturdenkmal: eine Trauerbuche in den Baden-Badener Kuranlagen

 Baden-Baden - die Lichtentaler Allee und ein Baum

 

Ein Baum in Baden-Baden schreibt Geschichte: Abnahme des Hauptstamms und Fortbestand der großen Trauerbuche in der Lichtentaler Allee

 

Die Trauerbuche war und ist ein Schmuckstück in der Allee und besitzt trotz seines hohen Alters eine bewundernswerte Vitalität - Wer in Baden-Baden einmal Wurzeln geschlagen hat, der bleibt!

 

Baden-Baden - Lichtentaler Allee. Ein Baum in Baden-Baden schreibt Geschichte, Naturgeschichte, denn irgendwie gehört diese große Trauerbuche (Fagus sylvatica ‘Pendula‘) in das Bild der Lichtentaler Allee. Jeder, der an ihr vorbeikommt, bewundert dieses lebende Naturdenkmal, das selbst beweißt: wer in Baden-Baden einmal Wurzeln geschlagen hat, der bleibt! Dies beweist die große Trauerbuche, welche in Höhe des Museum LA8 (Museum für Kunst und Technik des 19. Jahrhunderts) stand und weiterhin steht. Die Abnahme des Hauptstamms der um die 150 Jahre alten Trauerbuche in der Lichtentaler Allee wird ihrem Fortbestand vor Ort nicht schaden. Nicht allein, das der morsche Hauptstamm vor Ort liegen bleibt und ein wertvolles Biotop für Insekten und Käfer wird, nein, denn dieser Baum hat über seine Äste im Boden Wurzeln geschlagen, die ihn nun weiter wachsen lassen. 

Steinbrunnen vor der Trauerbuche - im Hintergrund das LA 8 , Foto: Helga Waess (August 2026)

 Noch letzten Monat zierte die große Trauerbuche, deren Stamm seit 2006 durch Stahlstützen gehalten weiter leben durfte, die eindruckvollen Baden-Badener Kuranlagen der Lichtentaler Allee. 

Nach 20 Jahren musste der Hauptstamm des Baums jetzt gekappt werden.

 

Stahlstützen halten den Stamm des alten Baumes und so ist seine Statik gesichert, Foto: Helga Waess  - Pressefotoarchiv

Auch Bäume schreiben Geschichte

Im März 2019 musste die mittlere Hauptkrone des Baums entfernt werden, da Teile der Krone abgestorben waren. Damals verblieb aber ein etwa sieben Meter langes Stück des Hauptstamms, an dem noch einzelne Äste grün waren. Dieser wurde nach wie vor durch Stahlstützten abgesichert. Ziel dieser Maßnahmen war, die große Trauerbuche langsam und sichtbar absterben zu lassen. Durch den schon lange vorhandenen Schutzzaun konnte dies ermöglicht werden.

In den vergangenen zwei Jahren hatte sich der noch vorhandene Hauptstamm weiter zersetzt

 Alle grünen Äste waren nach und nach abgestorben. Inzwischen bestand die Gefahr, dass der morsche Hauptstamm trotz der Stahlstützen in sich zusammenbricht. Daher hat das Gartenamt entschieden, nun den Hauptstamm abzunehmen und innerhalb des abgesperrten Bereichs abzulegen. Er kann sich dort weiter zersetzen und mit seinem weichen Holz und Mulm ein wertvolles Biotop für zahlreiche Insekten, vor allem für seltene und geschützte Käferarten, bilden. Auch wird das langsame Absterben und Zersetzen des Baums am Ende seines Baumlebens nach wie vor erlebbar sein. Die Stahlstützen werden entfernt.

Die alte große Trauerbuche in der Lichtentaler Allee weist eine große Besonderheit auf, die es nur bei wenigen Trauerbuchen in historischen Gärten in Deutschland gibt

 An den Stellen, an denen ihre Äste auf den Boden aufgekommen sind, haben diese Wurzeln gebildet, so dass aus den natürlichen „Absenkern“ neue „Tochterbäume“ entstehen konnten, die genetisch immer noch Teil der großen Trauerbuche sind. 

Biologisch ist der Baum also keineswegs abgestorben, sondern existiert nach wie vor als eindrucksvolle Baumsilhouette und grüner Hintergrund für den Steinbrunnen in der Lichtentaler Allee weiter.

Gartenamtsleiter Markus Brunsing erläuterte bei einem Pressetermin die gesamte Vorgehensweise und Hintergründe und betonte nach der Abnahme des Hauptstamms: 

„Es war immer das Ziel, diesen Baum in Würde altern zu lassen. Denn er hat eine so lange Geschichte, ist ein Schmuckstück in der Allee und besitzt trotz seines hohen Alters eine bewundernswerte Vitalität.“

Beeindruckende Bäume der Lichtentaler Allee in Baden-Baden strahlen Beständigkeit und Ruhe aus - eine weitere Trauerbuche vor dem Frieder Burda Museum in Baden-Baden, Foto: Helga Waess - September 2026


Hintergrundinformationen: Pressemitteilung der Stadt Baden-Baden

Fotos: Helga Waess