Donnerstag, 7. August 2025

Ausflug: Schloss Schleißheim - Waldemar Bonsels

Ausflug-Tipp: Schloss Schleißheim und die Biene-Maja-Linde für Literaten


Am Schloss Schleißheim vor den Toren Münchens erblickte Waldemar Bonsels Kinderbuch-Charakter BIENE MAJA im Jahr 1912  das Licht der Buchwelt - später lebte er in seinem Haus in Ambach am Starnberger See 


Waldemar Bonsels schrieb "Die Biene Maja und ihre Abenteuer" (Deutsch, English, Italiano, Francais)

 

München - Schleißheim - Ambach am Starnberger See. Jakob Ernst Waldemar Bonsels war vor über 100 Jahren - in den 1920er Jahren - einer der meistgelesenen deutschen Schriftsteller. Vor über 110 Jahren saß ein junger Mann im Oberschleißheimer Berglwald unter einer Linde. Um ihn herum auf den Blüten der Streublumenwiese surrten die Bienen. Am Baumstamm krabelten Käfer und von einem herumliegenden Ast hüpfte eine Heuschrecke – eine schlanke grüne, mit sehr langen Beinen. Der Schriftsteller versank in der Naturbeobachtung, wurde eins mit Baum, Wiese und Biene. Maja war eine Biene aus Schleißhei ... das Schloss, der Biergarten und ein kleines Museum sowie die Schriftsteller Linde sind ein Muss für München- und Bayernbesucher.


Köstlicher Honig aus einer Sommerblume - Foto Helga Weass (Kunst-Kultur-Blog)


Waldemar Bonsels (1880-1952) schrieb 

"Die Biene Maja und ihre Abenteuer"


Er nahm den Füllfederhalter zur Hand und fing an zu schreiben:

  „Die ältere Bienendame, die der kleinen Biene Maja behilflich war, als sie zum Leben erwachte und aus ihrer Zelle schlüpfte, hieß Kassandra und hatte großes Ansehen im Stock. Es waren damals sehr aufregenden Tage, weil im Volk der Bienen eine Empörung ausgebrochen war, die die Königin nicht unterdrücken konnte. …“ (Vgl. Waldemar Bonsels „Die Biene Maja und ihre Abenteuer“, 3. Auflage (1912) 


Irgendwann entdeckte der Autor an der Rinde einen Käfer und schrieb Sätze wie:

    "Der Borkenkäfer Fridolin lebt mit seiner Frau und 50 Söhnen unter der Rinde der Kiefer. Auch wenn die Menschen ihn nicht mögen, findet Maja ihn doch sehr liebens-würdig." (Vgl. ebd.)

So könnte es gewesen sein!



Der Schleißheimer Schlosspark inspiriert noch heute


Und streift man heute durch das üppige Grün des Schlossparks und durch die zugehörigen Anlagen, beobachtet im Spätsommer die Jungschwäne oder die bunten Blumenrabatten, so fällt das zurückversetzen, in die Zeit des Schriftstellers Waldemar Bonsels nicht schwer.


Mit dieser fantastischen Welt der Insekten wurde er zum Sprachrohr der Natur. Er gab einer kleinen, fleißigen Biene, die ein paar Jahre später erstmals in die Lektorenhände eines Verlegers und damit in die Welt der Bücher und ihrer Leser flog, eine unvergleichliche Geschichte. Sie und ihre Freunde von Wiese und Baum erhielten eine literarische Stimme.

1912 erschien in der Deutschen Verlags-Anstalt Stuttgart und Berlin der erste Band „Biene Maja und ihre Abenteuer“ und 1915 der zweite Band „Das Himmelsvolk“


Und der kam an, denn mit der Erstauflage erblickte ein Bestseller das Licht der Bücher-Welt! 

Die Erstauflage hatte gleich 3000 Exemplare.


Über Jahrzehnte hinweg verzückte diese kleine Biene Generationen von Kindern, Eltern und Großeltern. Ihre Abenteuer wurden in 40 Sprachen übersetzt.

Grashüpfer - Foto: Helga Waess (Archiv - Kunst-Kultur-Blog)

Die Autoren Waldemar Bonsels und Bernd Isemann lebte in einer Villa am Schleißheimer Schloss

Ihr Autor Waldemar Bonsels (1880-1952) lebte für nur 2 Jahre zusammen mit seinem Schriftsteller-Kollegen Bernd Isemann in einer Villa am Schleißheimer Schloss. Eine künstlerisch sehr befruchtende Freundschaft. Isemann schrieb zeitgleich an „Nala und Re“, einem Roman über eine Ameisenfreundschaft.

Die beiden Literaten kauften sich gemeinsam eine Villa in Schleißheim. Hier saßen sie im Garten und schrieben Insektenromane.

Klingt nach Bohème!


Für soviel geistige Freiheit musste man um 1910 – und müsste man heute auch – einen finanziell möglichst unabhängigen, das alltägliche Leben sichernden Status haben. Einige Jahre zuvor hatten die beiden Literaten eine Verlagsgesellschaft in München gegründet und für die nötige Unabhängigkeit gesorgt.

Ein Buch als Sammlerobjekt

105 Jahre nach dem Erscheinen des ersten Maja-Buches, das heute unter Sammlern von Kinderbuch-Erstauflagen sehr gefragt ist und antiquarisch gehandelt wird, ist es nach wie vor beliebt. Bald nach erscheinen war die kleine Biene Maja in unzähligen Kinderzimmern der Welt zuhause und spätestens nach dem Start der Zeichentrickserie in den 1970er Jahren allgemein bekannt. Und auch der gesungenen Titelsong-Ohrwurm von Karel Gott brachte erneute Bestseller-Auflagen.


Das ereignisreiche Leben Waldemar Bonsels


Aber das Leben geht manches Mal andere Wege und ist in der Realität weniger „blumig“:
Waldemar Bonsels heiratete drei Mal und hatte insgesamt fünf Söhne. Gefühlsmäßig, oder besser partnerschaftlich, wurde er - wie es scheint - nie richtig sesshaft. 

 

Schließlich ließ er sich am Starnberger See - in Ambach -  nieder, 

wo die "waldemar-bonsels-stiftung.de" sein Haus und Andenken bewahrt!


Bonsels - Schleißheim und eine Biene-Maja-Linde


Am Haus des Literaten in Schleißheim wurde übrigens eine neue Biene-Maja-Linde gepflanzt. So wie jene unter der einst die Biene Maja ersonnen wurde.

Mögen noch viele Literaten Oberschleißheims 
unter ihr von der Muse geküsst werden!