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Samstag, 10. Januar 2026

6. Januar bis 17. Februar 2026: Münchner Schäfflertanz

 500 Jahre Schäfflertanz - Brauchtum und Tradition in München

 

Januar 2026 - Sieben Mal tanzen die Schäffler diese Woche in München - hier einige Termine und die Geschichte des Schäfflertanzes in der Faschingszeit

 

Auftritt der tanzenden Schäffler:  vom 6. Januar bis 17. Februar 2026 ist der Schäfflertanz wieder auf öffentlichen Plätzen in München zu sehen (DeutschEnglish, Français, Italiano)

 

Die Schäffler in München tanzen alle sieben Jahre zur Faschingszeit, das wäre heuer nach 2019 das Jahr 2026. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel,  die Tanztradition der Schäfflergesellen wurde 2017 ganze 500 Jahre alt und so durfte der Brauch auch 2017 zur Faschingszeit gelebt werden. Die Schäffler-Zunft war seit dem Mittelalter stolz auf ihren Berufsstand und so wurde ihre Tracht zum uniform-ähnlichen Markenzeichen. 

Schäfflertanz-Relief über dem Pestdrachen - der Lindwurm am Wurmeck des Münchner Rathauses, Copyright: Helga Waess

 Damit die Pest nicht wiederkommt - denn alle sieben Jahre gab es einst Pestwellen in München

Allen voran tanzt entweder der Spaßmacher, eine Art Kasperl, dann der Vortänzer, die Fassschlager und die Reifenschwinger mit ihren Holzreifen. Alle Informationen direkt bei den Schäfflern: schaefflertanzmuenchen.de


Tanzende Schäfflerfiguren am Schäffler-Eck am Marienhof,
Foto: Helga Waess

Schäffler-Termine in den nächsten Tagen


Hier stellen wir euch ausgewählte Termine in München vor, an denen ihr die Schäffler in den nächsten Tagen sehen könnt:

  •     10.1., 12 Uhr, Marienplatz
  •     10.1., 13 Uhr, Wittelsbacherplatz
  •     10.1., 14 Uhr, Heimperthstraße 1 (Harthof)
  •     10.1., 15:30 Uhr, Oertelplatz (Allach)
  •     11.1., 11:30 Uhr, Bennigsenstraße (Bogenhausen)
  •     11.1., 16:30 Uhr, Alter Messeplatz
  •     12.1., 18 Uhr, Bavariaring
  •     14.1., 17 Uhr, Münchner Freiheit
  •     15.1., 17 Uhr, Willy-Brandt-Platz
  •     16.1., 14 Uhr, Weißenburger Platz
  •     17.1., 9 Uhr, Schweizer Platz
  •     17.1., 11 Uhr, Alter Messeplatz
  •     17.1., 12 Uhr, Marienplatz
  •     17.1., 15 Uhr, Terofalstraße 66

 

Die Schäffler sagen: Änderungen vorbehalten! 


Tanzende Schäfflerfigur am Schäffler-Eck am Marienhof,
Foto: Helga Waess


Die tanzenden Schäffler


 In den Holzreifen können Weingläser balanciert werden. Viele Tanzfiguren erinnern an die Pest. 

Die 20 Schäffler, die zurzeit durch München ziehen tanzen vier kleine Kreise, eine Schlange, dann die Laube mit den Kränzen, das Kreuz und den Reifenschwung im Schleifschritt. Und dann hält ein Schäffler eine Rede.


Tanzende Schäfflerfigur am Schäffler-Eck in
München,
Foto: Helga Waess


Das Schäfflereck (Schäffler-/Wein-/Theatinerstraße)


Hier in der Schäfflerstraße in der Münchner Altstadt waren einst die Fassmacher oder Fassbinder mit ihren Betrieben ansässig. Im Jahr 1388 nannte man diese Straße auch Sporergasse. An der Ecke der Fassade finden sich zwei einzelne Schäfflerfiguren in traditioneller Tänzertracht als Hauszeichen. Beide Figuren wurden 1950 durch die "Hofkupferschmiede Ragaller" hergestellt.

Tanzende Schäfflerfiguren am Schäffler-Eck in
München,
Foto: Helga Waess

Die typische Standestracht der Schäffler 


Sie besteht aus schwarzer Kniebundhose, weißen Kniestrümpfen und schwarzen Schuhen. Über der Hose tragen Sie ein Schurzleder. über einem weißem Hemd eine rote Jacke mit weißem Besatz und goldenen Knöpfen. Weiße Handschuhe können sein - müssen aber nicht zwingend dazu gehören. Aber die grüne Kappe mit dem weißblauen Federbusch gehört unbedingt dazu.

Am Schäfflertanz teilzunehmen war von Altersher eine große Ehre und nur Zunftmitgliedern vorbehalten - darunter meist unverheiratete Gesellen. Wer in der Zunft der Schäffler war brauchte einen einwandfreien Leumund. Schäfflermeister oder ihre Söhne nahmen nicht teil.
Berufsfremde Tänzer wurden ab 1960 wichtig, einfach deshalb, damit der Brauch des Schäfflertanzes weiter gepflegt werden konnte.

Tanzende Schäfflerfigur am
Schäffler-Eck in
München,
Foto: Helga Waess

Die Geschichte des Schäfflertanzes


Der Tanz der Fassmacher, der Schäffler, hat eine lange Geschichte in München und Altbayern. Erstmals - so die Vermutung in zahlreichen Schriften - traten die Fasshersteller in ihren Kniebundhosen und roten Jacken nach der großen Pestepidemie im Jahr 1517 auf. Sie ermutigten die Bürger dazu das städtische Leben wieder aufzunehmen und sich heraus zu wagen.

Es ist aber nicht bewiesen, dass es diese Pest um 1517 in München gab (Stadtregister weisen keine erhöhten Todesraten in dieser Zeit auf).


Historisch nachweisbar ist der Schäfflertanz in München nach Schriftquellen erst seit dem Jahr 1702.






Tanzende Schäfflerfigur mit Krug am Schäffler-Eck in
München,
Foto: Helga Waess

Die Schäffler im Münchner Glockenspiel


Im Münchner Rathausturm findet sich auf Dachhöhe das berühmte Glockenspiel, das die Hochzeit von Herzog Wilhelm V. mit Renate von Lothringen im Jahr 1568 thematisiert. Das historische Ritterturnier, das tatsächlich anlässlich der Hochzeit auf dem Marienplatz stattfand, wird in dem 16-figurigem Spiel ebenso wie der Tanz der Schäffler thematisiert.

Die Fassmacher waren mit ihrem Tanz die ersten, die nach der großen Pestepedmie im Mittelalter durch die Münchner Straßen zogen und das Ende der Trübsal verkündeten - so die Legende.


Ritter, Hofmarschall, Fürstenpaar und Schäffler tanzen jeden Tag zum Münchner Glockenspiel  

Tanzende Schäfflerfigur am Schäffler-Eck in
München,
Foto: Helga Waess

Alle sieben Jahre Schäfflertanz in München


Der Herzog selbst soll den Auftritt alle sieben Jahre begründet haben, da er die Sieben als Glückszahl sah.

Tanzende Schäfflerfigur am Schäffler-Eck in
München,
Foto: Helga Waess


Text und Fotos: Helga Waess

Montag, 17. November 2025

München: Die Lindwurm-Sage / Rathaus mit Wurmeck

Münchner Sage: Der Lindwurm und die Schäffler


Was macht der große Lindwurm am neuen Münchner Rathaus?


Das "Wurmeck" am Marienplatz in München (English, Française)


München. An der rechten unteren Ecke des neuen Rathauses in München: dort, wo die Weinstraße in den Marienplatz mündet, findet sich das "Wurmeck". So benannt nach einer Münchner Sage, die hier in steinernen Fassaden-Reliefs und einer großen Bronzeskulptur erzählt wird. - Sagen, das sind geglaubte Wahrheiten, die auch immer ein Fünkchen Historie aufnehmen und über Generationen tradiert werden. -Ein Lindwurm ist es, der hier den neugotischen Eckturm (das Rathaus wurde im Jahr 1906 errichtet) empor klettert.

 

Lindwurm am Münchner Rathaus
Foto: Lindwurm am Wurmeck des Münchner Rathauses, Copyright: Helga Waess


In München kennt man die Lindwurmstrasse, die sich von der alten Bauernkriegskirche in Sendling bis zum Sendlinger Tor schlängelt


Ja, schlängelnd mit seitlichem Pappelbewuchs nimmt die vierspurige Straße ihren Lauf in Richtung Innenstadt. Und eine Lindwurmfeste verbirgt sich in Walter Moers Bücherdrachen-Erzählungen.


Doch zurück zum Rathaus und zu dem riesigen, fauchenden Bronzedrachen


..., der gerade über das Blattwerk hinweg steigt und versucht die unter Eselsrücken-Bogen tanzenden Schäffler und die fliehende Bevölkerung zu erreichen. Sein Maul ist geöffnet und man meint fast sein Fauchen zu vernehmen - wären es nicht die murmelnden Stadt-Geräusche der - auch in Corona-Zeiten - vorbeiströmenden Menschenmassen im Herzen Münchens, dem Marienplatz.

Zwei Künstlernamen sind hier beteiligt: Anton Kaindl der die Form für den Drachen modellierte und Hygin Kiene der die metallene Version des Bronze-Lindwurms umsetzte.


Warum versucht der geflügelte Lindwurm die drei Personengruppen zu erreichen?


Jene tanzenden Faßmacher, die ihn gar nicht wahrzunehmen scheinen? Und jene Bürger der Stadt, die mit Kind und Kegel Reißaus nehmen? Während Landknechte und Bevölkerung in einem weiteren Relief bereit sind den Kampf mit dem Lindwurm aufzunehmen. Sie laden ein Vorderladergeschütz, das an das 17. Jahrhundert erinnert. - Die Reliefs stammen aus den Bildhauerhänden von Jakob Bradl und Franz Xaver Bernauer.


Die Pest in München


Oben an dem Turm finden wir den Grund für das Ungemach, eine sogenannte Megäre. Ein teuflisch anmutendes, fürchterliches Wesen, das Symbol für die Pest, welche einst in München Angst, Krankheit und Tod verbreitete.

Oben wird diese Krankheit einem Arzt, einem Schäffler und einem Musikanten gegenübergestellt. Jenem Helden der Mittel und Wege wusste Krankheiten zu besiegen und jenen, die den Menschen durch Musik und tanzendem Frohsinn wieder Zuversicht und Lebensmut gaben.


Die Sage mit dem Lindwurm und der Pest, die in München besiegt wurde


Der Sage nach soll ein fürchterlicher Lindwurm genau am Wurmeck aus der Erde gekommen sein und von dort die Pest in die Stadt gebracht haben. Es dauerte, bis die Krankheit besiegt war und niemand traute sich aufgrund der Ansteckungsgefahr und langen Pestjahre nicht mehr auf die Münchner Straßen. Da hatten die Faßmacher, die sogenannten Schäffler die geniale Idee durch Musik und Tanz den Sieg über die Pest zu verkünden. Sie zogen tanzend durch die Stadt. Die Menschen atmeten durch und folgten ihnen, das Leben in München konnte wieder beginnen.


Wie das aber mit Sagen immer so ist:

Der erste Schäfflertanz kann erst um 1725 nachgewiesen werden. Das Wurmeck wird übrigens 1431 bereits in den Urkunden genannt.


Marienplatz mit Weihnachtsmarkt vor der Neuen Rathaus in München, Foto: Helga Waess



Freitag, 6. Dezember 2024

Munich : La légende de Lindwurm / Hôtel de ville avec Wurmeck

Légende munichoise : Le Lindworm et le Schäffler

Que fait le grand ver de tilleul dans la nouvelle mairie de Munich?


Le « Wurmeck » sur la Marienplatz à Munich


Munich. Dans le coin inférieur droit du nouvel hôtel de ville de Munich : à l'endroit où la Weinstrasse débouche sur la Marienplatz, vous trouverez le "Wurmeck". Ainsi nommé d'après une légende munichoise, racontée ici dans les reliefs de la façade en pierre et dans une grande sculpture en bronze. - Dis, ce sont des vérités crues qui contiennent toujours un peu d'histoire et qui se transmettent de génération en génération. -C'est un tilleul qui monte sur la tour d'angle néo-gothique (l'hôtel de ville a été construit en 1906).

 

Lindwurm am Münchner Rathaus
Photo : Lindwurm au Wurmeck de l'Hôtel de Ville de Munich, Copyright :Helga Waess


À Munich, nous connaissons la Lindwurmstrasse, qui serpente de l'ancienne église de guerre des paysans de Sendling jusqu'à la Sendlinger Tor



Oui, la route à quatre voies serpente vers le centre-ville avec des peupliers sur le côté. Et il y a un festival du ver de tilleul caché dans le livre des histoires de dragons de Walter Moer.


Mais revenons à la mairie et à l'énorme dragon de bronze sifflant


...qui grimpe sur les feuillages et tente d'atteindre les bergers qui dansent sous les arches à dos d'âne et la population en fuite. Sa bouche est ouverte et on aurait presque l'impression de l'entendre siffler - s'il n'y avait pas les bruits de la ville murmurés par les foules qui défilent - même à l'époque de Corona - au cœur de Munich, sur la Marienplatz.

Deux noms d'artistes sont impliqués ici : Anton Kaindl qui a modelé la forme du dragon et Hygin Kiene qui a créé la version métallique du dragon en bronze.


Pourquoi la wyverne ailée essaie-t-elle d'atteindre les trois groupes de personnes?


Ces tonneliers dansants qui ne semblent pas le remarquer du tout ? Et ces citoyens de la ville qui s'enfuient avec tous leurs enfants ? Tandis que les ouvriers agricoles et la population sont prêts à combattre le dragon dans un autre relief. Ils chargent un fusil à chargement par la bouche qui rappelle le XVIIe siècle. - Les reliefs proviennent des sculpteurs de Jakob Bradl et Franz Xaver Bernauer.


La peste à Munich


Au sommet de la tour se trouve la raison du problème, ce qu'on appelle la mégaère. Une créature terrible et diabolique, symbole de la peste qui semait autrefois la peur, la maladie et la mort à Munich.

Ci-dessus, cette maladie est comparée à un médecin, un berger et un musicien. Ce héros des voies et moyens a su vaincre les maladies et ceux qui ont redonné confiance et courage pour vivre à travers la musique et la joie de danser.


La légende du ver du tilleul et de la peste vaincue à Munich



Selon la légende, un terrible ver de tilleul est sorti de terre juste à Wurmeck et de là a apporté la peste dans la ville. Il a fallu du temps pour vaincre la maladie et plus personne n'osait sortir dans les rues de Munich en raison du risque d'infection et des longues années de peste. Les tonneliers, appelés Schäffler, ont eu la brillante idée de proclamer la victoire sur la peste par la musique et la danse. Ils ont dansé à travers la ville. Les gens respiraient profondément et les suivaient, la vie à Munich pouvait recommencer.


    Mais comme c'est toujours le cas avec les dictons :


    La première danse de Schäffler ne peut être documentée que vers 1725. 
À propos, le Wurmeck était déjà mentionné dans les documents en 1431.

Marienplatz avec marché de Noël devant le nouvel hôtel de ville de Munich, photo : Helga Waess


Munich: The Lindwurm legend / town hall with Wurmeck

Munich legend: The Lindworm and the Schäffler


What is the big lindworm doing at the new Munich town hall?


The “Wurmeck” at Marienplatz in Munich



Munich - Marienplatz. At the bottom right corner of the new town hall in Munich: where Weinstrasse flows into Marienplatz, you will find the "Wurmeck". So named after a Munich legend, which is told here in stone façade reliefs and a large bronze sculpture. - Say, these are believed truths that always contain a bit of history and are passed down through generations. -It is a lindworm that climbs up the neo-Gothic corner tower (the town hall was built in 1906).

 

Lindwurm am Münchner Rathaus
Photo: Lindwurm at the Wurmeck of the Munich City Hall, Copyright: Helga Waess


In Munich we know the Lindwurmstrasse, which winds from the old Peasants' War Church in Sendling to the Sendlinger Tor



Yes, the four-lane road winds its way towards the city center with poplar growth on the side. And there is a lindworm festival hidden in Walter Moer's book dragon stories.


But back to the town hall and the huge, hissing bronze dragon


...who is climbing over the foliage and trying to reach the shepherds dancing under donkey-back arches and the fleeing population. His mouth is open and you almost think you can hear him hissing - if it weren't for the murmuring city noises of the crowds of people streaming past - even in Corona times - in the heart of Munich, Marienplatz.

Two artist names are involved here: Anton Kaindl who modeled the shape for the dragon and Hygin Kiene who created the metal version of the bronze dragon.


Why is the winged wyvern trying to reach the three groups of people?


Those dancing barrel makers who don't seem to notice him at all? And those citizens of the city who run away with all their children? While farmhands and the population are ready to fight the dragon in another relief. They load a muzzle-loading gun reminiscent of the 17th century. - The reliefs come from the sculptors of Jakob Bradl and Franz Xaver Bernauer.

 

The plague in Munich


At the top of the tower we find the reason for the trouble, a so-called megaera. A devilish-looking, terrible creature, the symbol of the plague that once spread fear, illness and death in Munich.

Above, this illness is compared to a doctor, a shepherd and a musician. That hero of the ways and means knew how to defeat illnesses and those who gave people back confidence and courage to live through music and dancing cheerfulness.


The legend of the lindworm and the plague that was defeated in Munich



According to legend, a terrible lindworm came out of the earth right at Wurmeck and from there brought the plague to the city. It took time until the disease was defeated and no one dared to go out on the streets of Munich anymore due to the risk of infection and the long years of plague. The barrel makers, the so-called Schäfflers, had the brilliant idea of ​​proclaiming victory over the plague through music and dance. They danced through the city. People took a deep breath and followed them, life in Munich could begin again.

    But as is always the case with sayings:


    The first Schäffler dance can only be documented around 1725. By the way, the Wurmeck was already mentioned in the documents in 1431.


Marienplatz with Christmas market in front of the New Town Hall in Munich, photo: Helga Waess


München: Die Lindwurm-Sage / Rathaus mit Wurmeck

 Münchner Sage: Der Lindwurm und die Schäffler


Was macht der große Lindwurm am neuen Münchner Rathaus?


Das "Wurmeck" am Marienplatz in München (English, Française)


München. An der rechten unteren Ecke des neuen Rathauses in München: dort, wo die Weinstraße in den Marienplatz mündet, findet sich das "Wurmeck". So benannt nach einer Münchner Sage, die hier in steinernen Fassaden-Reliefs und einer großen Bronzeskulptur erzählt wird. - Sagen, das sind geglaubte Wahrheiten, die auch immer ein Fünkchen Historie aufnehmen und über Generationen tradiert werden. -Ein Lindwurm ist es, der hier den neugotischen Eckturm (das Rathaus wurde im Jahr 1906 errichtet) empor klettert.

 

Lindwurm am Münchner Rathaus
Foto: Lindwurm am Wurmeck des Münchner Rathauses, Copyright: Helga Waess


In München kennt man die Lindwurmstrasse, die sich von der alten Bauernkriegskirche in Sendling bis zum Sendlinger Tor schlängelt


Ja, schlängelnd mit seitlichem Pappelbewuchs nimmt die vierspurige Straße ihren Lauf in Richtung Innenstadt. Und eine Lindwurmfeste verbirgt sich in Walter Moers Bücherdrachen-Erzählungen.


Doch zurück zum Rathaus und zu dem riesigen, fauchenden Bronzedrachen


..., der gerade über das Blattwerk hinweg steigt und versucht die unter Eselsrücken-Bogen tanzenden Schäffler und die fliehende Bevölkerung zu erreichen. Sein Maul ist geöffnet und man meint fast sein Fauchen zu vernehmen - wären es nicht die murmelnden Stadt-Geräusche der - auch in Corona-Zeiten - vorbeiströmenden Menschenmassen im Herzen Münchens, dem Marienplatz.

Zwei Künstlernamen sind hier beteiligt: Anton Kaindl der die Form für den Drachen modellierte und Hygin Kiene der die metallene Version des Bronze-Lindwurms umsetzte.


Warum versucht der geflügelte Lindwurm die drei Personengruppen zu erreichen?


Jene tanzenden Faßmacher, die ihn gar nicht wahrzunehmen scheinen? Und jene Bürger der Stadt, die mit Kind und Kegel Reißaus nehmen? Während Landknechte und Bevölkerung in einem weiteren Relief bereit sind den Kampf mit dem Lindwurm aufzunehmen. Sie laden ein Vorderladergeschütz, das an das 17. Jahrhundert erinnert. - Die Reliefs stammen aus den Bildhauerhänden von Jakob Bradl und Franz Xaver Bernauer.


Die Pest in München


Oben an dem Turm finden wir den Grund für das Ungemach, eine sogenannte Megäre. Ein teuflisch anmutendes, fürchterliches Wesen, das Symbol für die Pest, welche einst in München Angst, Krankheit und Tod verbreitete.

Oben wird diese Krankheit einem Arzt, einem Schäffler und einem Musikanten gegenübergestellt. Jenem Helden der Mittel und Wege wusste Krankheiten zu besiegen und jenen, die den Menschen durch Musik und tanzendem Frohsinn wieder Zuversicht und Lebensmut gaben.


Die Sage mit dem Lindwurm und der Pest, die in München besiegt wurde


Der Sage nach soll ein fürchterlicher Lindwurm genau am Wurmeck aus der Erde gekommen sein und von dort die Pest in die Stadt gebracht haben. Es dauerte, bis die Krankheit besiegt war und niemand traute sich aufgrund der Ansteckungsgefahr und langen Pestjahre nicht mehr auf die Münchner Straßen. Da hatten die Faßmacher, die sogenannten Schäffler die geniale Idee durch Musik und Tanz den Sieg über die Pest zu verkünden. Sie zogen tanzend durch die Stadt. Die Menschen atmeten durch und folgten ihnen, das Leben in München konnte wieder beginnen.


Wie das aber mit Sagen immer so ist:

Der erste Schäfflertanz kann erst um 1725 nachgewiesen werden. Das Wurmeck wird übrigens 1431 bereits in den Urkunden genannt.


Marienplatz mit Weihnachtsmarkt vor der Neuen Rathaus in München, Foto: Helga Waess