Samstag, 29. August 2026

Ammerland: Graf Pocci erfand das Kasperle

Münsing, Ammerland und Graf von Pocci 

 

Der Vater des Kasperl Larifari! Wer war Franz Graf von Pocci? Hofbeamter und Künstler ...

 

Ammerland: Auf zum Kasperlgraf - ein Ausflugsziel der Münchner


AMMERLAND am Starnberger See. Ein Besuch Ammerlands läßt bei einem Rundgang spüren, in welch einer Idylle Franz Graf von Pocci als Bub und immerhin 30 Jahre seines Lebens hier lebte. Wie mag es für das Kind Franz gewesen sein, wenn die Klavier-, Unterrichts- und Zeichenstunden den Tag regelten. Es blieb sicherlich Zeit für den See und die Wälder. So ist es nicht verwunderlich, das Kindheit und Kinder in seinem späteren schriftstellerischen und zeichnerischen Werk eine große Rolle spielen.

Pocci als Kasperlgraf, Ammerland, Foto: Helga Waess


Begeben wir uns auf die Suche nach einem königlich bayerischen Hofbeamten: Franz Graf von Pocci (1807-1876)

Der volle Name des gebürtigen Münchners lautet Franz Ludwig Evarist Alexander Graf von Pocci. – In München wurde die Poccistrasse nach ihm benannt. – Er war bei Hof im ordentlichen Beamtenstatus: als Zeremonienmeister, Hofmusikintendant und Oberstkämmerer. Wer sich auf seine Spuren begibt, findet in seinem Werk ein kreatives Allroundgenie, das hohes Ansehen bei Hofe (unter gleich drei Bayerischen Königen Ludwig I., Max II. und Ludwig II.) genoss. 


Graf Pocci als Hofbeamter und Künstler


Parallel zu seiner Hofbeamten-Stelle gehörte Pocci im Jahr 1837 zu den Gründern der „Zwanglosen“, einem literarischen Zirkel, der bis heute besteht. Die Mitglieder dieser Gesellschaft wie Moritz von Schwind, Franz von Kobell oder der Botanika Zuccarini nahm Pocci in seinen Karikaturen „aufs Korn“. Spitz war Poccis Feder und herrliche seine Ironie, die bis zur Selbstironi reichte. Die Satirischen Blätter sind für den heutigen Betrachter sprechende, humoristische Darstellungen, welche dem Adel und dem Bürgertum der Zeit den Spiegel vorhalten, ohne zu kritisch zu werden. Pocci bleibt immer im Rahmen des gebotenem Anstands, den er als Beamter ja auch vertritt. 
Denn wir erinnern uns, es ist die Zeit einer strengen Zensur und vielfach kann nur die satirische Karikatur in der Presse, deren Freiheit eingeschränkt ist, kritisch sein. 
 
Ammerland, Pocci-Plakat und Kasperlgrafskulptur mit Kasperl-Larifari
Foto: Helga Waess


Im Gedächtnis blieb er Generationen von Kindern und Erwachsenen jedoch, als der 


„Vater des Kasperl Larifari“, der das Kasperle-Theater erfand


Er versah sein Amt stets einwandfrei, aber seine Leidenschaft und Freizeit galt den freien Künsten, der Musik, der Malerei, der schreibenden und zeichnenden Feder und vor allem dem Humor. Er war Komponist, Maler, Karikaturist, Literat, Stücke-Schreiber und weil er die Kinder und die Kindheit liebte auch als Buchautor für die Kleinen. 

Seine Lehrer in der Zeichenkunst und Malerei waren Franz von Medailleur, Johann Baptist Siglmayr und Joseph Schlotthauer. Sie bauten, das von der Mutter ererbte Talent aus, das sich als unbedingtes Rüstzeug zur malerischen Wiedergabe seiner Ideenwelt erwies. 


Der Kasperl-Larifari und der Graf Pocci


Es war wohl auch für Graf Pocci ein Glücksfall, als der Gründer des Münchner Marionettentheaters Josef „Papa“ Schmid sich im Dezember 1858 an ihn wandte, um die behördliche Genehmigung zur Einrichtung des Theaters zu erlangen. Graf Pocci war in dieser Zeit Hofmusikintendant.
Er vergab die Genehmigung und wurde fortan auch noch Stückeschreiber. Seiner Feder entstammen rund 40 Theaterstücke für das Münchner Marionettentheater, darunter stehen jene über den Kasperl Larifari an herausgehobener Stelle. Durch ihn wurde der Kasperle zu einer legendären Figur des Puppentheaters, die heute weltweit bekannt ist. Sein Ruf als Kasperlgraf ging in die Geschichte des Puppenspiels und in die Geschichte Münchens und Bayerns ein.


Das Sommerschloss der Grafenfamilie Pocci

Für 30 Jahre war Ammerland am Starnberger See Franz Graf von Poccis Heimat. Hier findet sich das Sommerschloss der Grafenfamilie Pocci, die ihre Familiengrablege in Münsing hat. 
 
Plakat zur Pocci-Ausstellung, Ammerland, Presse-Fotoarchiv: Helga Waess
 

Ihm zu Ehren wurde im Hollerhaus in Irschenhausen ein Museum errichtet. 

Hier zeichnet sich die "Franz Graf von Pocci Gesellschaft" – Eine Literarische Gesellschaft verantwortlich, die das Schaffen des Grafen durch ein regelmäßiges Kulturprogramm in und um München und eine Preisvergabe würdigt: grafpocci-gesellschaft.de (= Homepage der Franz Graf von Pocci Gesellschaft in Münsing am Starnberger See)

 

Blick auf den Starnberger See, Foto: Helga Waess

Ammerland: 

Ein Ausflugsziel der Münchner 

Und dies besonders an Montagen und Dienstagen, wenn die meisten Gasthäuser am See Ruhetag haben. Dann ist es ein wenig stiller und für das leibliche Wohl sorgen die ansässigen Fischer, die ihre Terrassen und Gärten (wie an allen anderen Tagen auch) für den Besucher öffnen und den Gaumen mit fangfrischem oder geräucherten Spezialitäten verwöhnen.