Timofej "Stadtheiliger Münchens" Gedenkstätte am Olypark
Der Stadtheilige von München: Väterchen Timofej und seine Gedenkstätte am Olympiapark
Ein Gartenparadies in München-Oberwiesenfeld - eine Münchner Sehenswürdigkeit (English)
München. Es war einst ein kleines Gartenparadies im Olympiapark und die inoffizielle Gedenkstätte für Väterchen Timofej, den
Methusalem von München, der hier im Alter von 110
Jahren verstarb. Timofij ist so legendär für München wie die Türme der
Frauenkirche. Wie die Foto- und Brief-Dokumentation vor Ort zeigt, war
es kein Geringerer als Alt-Oberbürgermeister Christian Ude, der diesen
sonderbaren russischen Emigranten in einer Laudatio zu dessen 100.
Geburtstag den „Stadtheiligen von München“ nannte. Im Jahr 2023 brante die "Friedenskirche" Timofej's ab. Wer war dieser Einsiedler, der offziell im Olympiapark ein Haus und eine kleine Kirche errichtete und dort wohnte?
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Muenchen Marienplatz, Rathaus und Türme der Marienkirche,
Foto: Helga Waess |
Väterchen Timofej: Individualist, Lebensphilosoph, Kreativer und Querdenker
Väterchen Timofej reiht sich ein in eine die Stadt München verkörpernde
Personengruppe von Individualisten, Kreativen und Querdenkern, die ihre
Lebensphilosophie unbedingt auslebten.
Sie alle verbindet ein extrovertiertes, charismatisches Erscheinungsbild
und der unbedingte, unbeugsame Wille, sie selbst zu sein, und ihren
inneren Antrieb zum Lebensinhalt zu postulieren. Sie identifizieren sich
mehr als jede andere Personengruppe mit München als Stadt und
Lebensform.
Münchner Originale prägen die Stadt
Wenn diese Münchner erwähnt werden, ob im TV, Radio oder in offiziellen
Reden, dann wird ihr Ikonen-Status für die Stadt klar. Der Münchner
verbindet mit vielen prominenten Namen unerklärlich viel. Gemeint sind
Persönlichkeiten wie das
- Komikerduo Karl Valentin und Liesl Karlstadt,
- der Schriftsteller, Journalist und Münchner Spaziergänger Sigi Sommer,
- das Münchner Original Monaco Franze alias Schauspieler Helmut Fischer,
- der exzentrische Modezar Rudolph Moshammer
- oder eben der kauzige Russe vom Oberwiesenfeld, Väterchen Timofej, der als Stadtheiliger Berühmtheit erlangte.
- Hierzu gehören inzwischen wohl auch die tanzenden Marktfrauen vom
Viktualienmarkt, die jedes Jahr im Münchner Fasching Stadtgeschichte
schreiben und bis nach Japan bekannt sind.
Es sind eben diese Persönlichkeiten, die das Leben der Großstadt am
Alpenrand mitprägen, verkörpern und im traditionellen Gedächtnis der
Stadt stets lebendig sind. Für uns ein Grund, den umzäunten Garten von
Väterchen Timofej mit seinen bis heute nicht genehmigten aber von der
Stadt anscheinend geduldeten Schwarzbauten im Olympiapark zu besuchen.
Väterchen Timofeijs Häuschen sind Schwarzbauten im Olympiapark
Hier befand sich bis 1938 der Verkehrsflughafen München-Oberwiesenfeld.
Nach 1945 lag dieses Gelände brach und wurde für zehn Millionen
Kubikmeter Schutt aus der zerbombten Stadt genutzt.
Der Olympiapark hat jedes Jahr viele Besucher, aber fragt man hier und
da auf dem Gelände, so stellt sich heraus: Kaum jemand weiß noch, dass
sich ganz in der Nähe des Olympiabergs ein kleines Gartenareal mit
Gebäuden befindet, die die Stadtbau-Kommission nie genehmigt hat. Man
habe davon gehört, aber ob es das noch gäbe, sei nicht bekannt.
Für die Errichtung einer Kirche, einer Kapelle und weiterer flacher
Bauten am Kriegsschuttberg auf dem Oberwiesenfeld gab es niemals
Baugenehmigungen.
Doch es gibt sie noch, eine russische Enklave auf dem Platz des Tollwood
Sommerfestivals, das Areal von Timofej Wassiljewitsch Prochorow
Hier, in der Gedenkstätte sind Zeitungsartikel ausgehängt, genauer im
dortigen "Timofej Museum", das sogar, so lesen wir vor Ort, Wladimir
Putin kennt.
Der Methusalem von München hat dieses Areal seit 1951 zusammen mit
seiner Lebensgefährtin Natascha begrünt, bewirtschaftet und bebaut.
Timofej Wassiljewitsch Prochorow ging in die Stadtgeschichte als
Väterchen Timofej ein. Im Laufe der Jahre wurde das Gartenparadies zur
inoffiziellen Gedenkstätte für jenen russischen Emigranten, der längst
zu den Münchner Originalen gezählt wird.
Gedenkstätte für Väterchen Timofej
Der russische Emigrant kam knapp sechs Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg
nach München. Ließ sich mit Natascha hier nieder und erbaute am heutigen
Olympiagelände im Auftrag einer Marien-Vision, wie er behauptete, eine
Ost-West-Friedenskirche. Eine Kirche für alle, jenseits aller
Konfessionen.
Vermutlich hatten jene Männer, die dem Russen Anfang der 50er Jahre
gestatteten, dort, wo man den Schutt aus dem zerbombten München
sammelte, eine Wohnhütte zu errichten, nicht im Traum daran gedacht, was
hier für ein unbeugsamer Geist bauen wollte.
Mit seinem ungewöhnlichen Lebensstil zog der russische Emigrant mit dem
Vollbart von Anfang an die Aufmerksamkeit von Politik und Öffentlichkeit
auf sich. Er, seine Bauten, seine Lebensphilosophie und sein Lebensstil
wurden von ihm und seinen Anhängern in den 60er und 70er Jahren lebhaft
verteidigt.
Um die Gebäude wurde gestritten und demonstriert. Und ihr Erhalt ist bis
heute wohl nicht zuletzt Alt-Oberbürgermeister Christian Ude zu
verdanken, der im Garten von Väterchen Timofej häufig zu Besuch war.
Ein Idyll, auch heute noch.
In seinem kleinen Wohnhaus, das heute als Museum dient, erzählt die
Fotografin Camilla Kraus Timofejs‘ Leben in Bildern. Eines davon aus dem
Jahr 1972 zeigt Timofei und Natascha als Hochzeitspaar. Als seine Frau
fünf Jahre später im Alter von 78 Jahren starb, errichtete Timofej ihr
im Garten neben der Kirche ein symbolisches Grab - für sein privates
Gedenken.
Der Eremit von München begegnete Friedensreich Hundertwasser, Silvia
Sommerlath, der heutigen Königin von Schweden, die ihn als solche auch
wieder besuchte, und vielen anderen. Häufige Gäste im liebenswertesten
Schwarzbau Münchens waren Christian Ude und seine Frau Edith von
Welser-Ude.
Mit den Jahren wurde der wunderliche alte Mann zum „Wahrzeichen von
München". Nach seinem Alter befragt, antwortete er stets: „2000 Jahre!"
Unter diesem Link findet sich die Geschichte Timofej's - im II. Teil:
LOCATION: Stiftung Ost-West-Kirche e. V.
Spiridon-Louis Ring 100
80809 München
Öffnungszeiten: In der Regel täglich von ca. 11 bis 17 Uhr; im Sommer meist länger
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