Samstag, 11. Juli 2026

16. Juli bis 4. Oktober: Fotografie & Skulptur im Bode-Museum, Berlin

 Ausstellung: Fotografie erzählt Skulptur - im Bode-Museum Berlin

 

Können Fotos sprechen? Und: Welche Perspektiven eröffnen Fotografien auf Präsenz, Form und Ausdruck plastischer Kunst?  Eine Sonderausstellung im Bode-Museum zu Berlin geht diesen Fagen nach ...

 

16. Juli bis 4. Oktober 2026 Fotografie erzählt Skulptur - Eröffnung: Mittwoch, 15. Juli, 17:30 Uhr - Bode-Museum auf der Museumsinsel in Berlin

  

Berlin. Kann Fotografie sprechen? Und wenn ja: Was erzählt sie? Was erfahren wir über Material, Urzustand, Farbigkeit und Aufenthaltsort des Bildmotivs? Wann entstand die Aufnahme? Wer waren die Fotografen und was war ihre Absicht?  Diese und viele andere Fragen stellen Wissenschaftler an Fotografien als Dokumente zu ihrem jeweiligen Forschungsgebiet. Das Bode-Museum auf der Museumsinsel in Berlin präsentiert ab dem 16. Juli eine Sonderausstellung zum Thema "Fotografie erzählt Skulptur". Die Sonderausstellung bringt die Skulpturensammlung des Bode-Museums in einen dialogischen Austausch mit dem bislang wenig bekannten Fotoarchiv des Hauses und des Museums für Byzantinische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin. Die seltene Gegenüberstellung von Skulpturen und ihren fotografischen Reproduktionen eröffnet neue Perspektiven auf beide Medien und schärft den Blick für ihre jeweiligen Eigenlogiken.

Bodemuseum, Berlin, Museumsinsel,
Foto: Helga Waess (Pressefotoarchiv)


Die Ausstellung untersucht die faszinierende, oft paradox wirkende Beziehung zwischen zwei scheinbar unvereinbaren Medien

  • Wie kann ein zweidimensionales Bild die Dreidimensionalität einer Skulptur vermitteln? 
  • Welche Perspektiven eröffnen Fotografien auf Präsenz, Form und Ausdruck plastischer Kunst? 
  •  ...
Schon vor dem Besuch eines Museums prägen Fotografien unsere Erwartungen und damit die spätere Wahrnehmung der Kunst, indem sie unserem kulturellen Gedächtnis Vorstellungen von Stil, Intentionen der Bildhauer und der scheinbar authentischen Wirkung vermitteln.

 

Der Titel verweist auf die Geschichte des Sehens von Skulptur

Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts prägen Fotografien die Vorstellung einer "richtigen" Ansicht und wie Licht und Perspektive die Wahrnehmung lenken können. Wilhelm von Bode erkannte früh die Bedeutung des Mediums und illustrierte seine "Denkmäler der Renaissance-Sculptur Toscanas" (1892–1905) mit über fünfhundert Fotografien. Systematische Regeln wie freigestellte Figuren, frontale Ansichten und gezielter Lichteinsatz begründeten einen kunsthistorischen Kanon, der bis heute prägend ist.

Die Ausstellung setzt ausgewählte Skulpturen aus verschiedensten Materialien vom 11. bis 17. Jahrhundert in Beziehung zu rund sechzig historischen und zeitgenössischen Fotografien

Dabei werden zentrale Themen des subjektiven fotografischen Blicks sichtbar: Lichtführung, die Aufmerksamkeit auf ikonographische Details lenkt oder dramatische Stimmungen erzeugt; Bildausschnitte, die ein Detail vom Original lösen und ihm ein Eigenleben verleihen; und Perspektiven, die sich zwischen ursprünglichem Kontext, Anbringungsort und musealer Ausstellungssituation bewegen.

 

Zugleich thematisiert die Schau die Einschränkungen der Fotografie

.. etwa bei der Farbwiedergabe, und ihre Möglichkeiten, wie zum Beispiel die Rahmung der Figur durch Größe und Proportion des Hintergrunds neue interpretative Dimensionen eröffnet.

In neun kurzen Kapiteln beleuchtet die Schau verschiedene Facetten des Fotografierens und Sehens

 Gian Lorenzo Berninis "Putto auf einem Delphin" fordert ein mehrfaches Umrunden der Figur heraus, da das Spiel zwischen Kind und Tier nur durch ständige Bewegung vollständig erfasst werden kann, die Renaissance-Büste einer "Prinzessin von Urbino" offenbart je nach Bildausschnitt unterschiedliche emotionale Nuancen ("Face to Face") und die "Christus-Johannes- Gruppe" der Zeit um 1300 zeigt, wie Fotografien einzelne Perspektiven hervorheben, während die intime Beziehung der Figuren im Original erfahrbar bleibt ("Zu zweit alleine"). 

Francesco di Giorgio Martinis fragmentarisches Relief in Moskau bleibt durch fotografische Dokumentation im kulturellen Gedächtnis präsent ("Verlust dokumentieren"). 

Weitere Kapitel widmen sich Lichtführung, Farbigkeit und Materialität, etwa bei der spätgotischen "Dangolsheimer Muttergottes" oder dem "dornausziehenden Knaben" aus Terrakotta, und machen die fotografische Interpretation selbst zum Forschungsthema.

Museumsinsel in Berlin, Foto: Helga Waess (Pressefotoarchiv)


Katalog zur Sonderausstellung

Fotografie erzählt Skuptur

Ein Begleitband mit Beiträgen von Dr. Franziska Lampe (Photothek, Zentralinstitut für Kunstgeschichte, München), Prof. Dr. Kathrin Müller (Institut für Kunst- und Bildgeschichte, Humboldt-Universität zu Berlin) und weiteren Beitragenden vertieft die Fragestellungen aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven.

 

Bode-Museum
Museumsinsel Berlin

Am Kupfergraben, 10177 Berlin

Homepage: www.smb.museum/bm

Öffnungszeiten:

  • Di-Fr 10-17 Uhr
  • Sa, So 10-18 Uhr