Sonntag, 29. März 2026

UNESCO Immaterielles Kulturerbe in Deutschland

UNESCO-Liste Immaterielles Kulturerbe in Deutschland wurde erweitert

 

5 Neueinträge auf der UNESCO-Liste zum Immateriellen Kulturerbe in Deutschland - vom Bolzplatz über Martinstradition bis Küstenfischerei

 

Neuzugänge im Bundesweiten Verzeichnis Bund und Länder

 

UNESCO - Immaterielles Kulturerbe in Deutschland: Neuzugänge im Bundesweiten Verzeichnis Bund und Länder gibt 5 Neueinträge bekannt: die Bolzplatzkultur, das Herrenschneiderhandwerk, die Martinstradition im Rheinland, die Schaustellerkultur auf Volksfesten in Deutschland sowie die Traditionelle Kleine Küstenfischerei an der Ostseeküste und in den Boddengewässern. - Die Kulturministerkonferenz der Länder und der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien haben am 27 März 2026 fünf weitere Traditionen in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Neu eingetragen wurden die Bolzplatzkultur, das Herrenschneiderhandwerk, die Martinstradition im Rheinland, die Schaustellerkultur auf Volksfesten in Deutschland sowie die Traditionelle Kleine Küstenfischerei an der Ostseeküste und in den Boddengewässern. Damit umfasst das Verzeichnis nun 173 kulturelle Ausdrucksformen, die in Deutschland gelebt und weitergegeben werden.

 

Cover Kunst-Kultur-Blog - Fotoarchiv: Helga Waess

Zu den fünf Neueinträgen auf der UNESCO-Liste zum Immateriellen Kulturerbe in Deutschland :


Bolzplatzkultur


Wer freute sich nicht, wenn er als Kind, Jugendlicher und Erwachsener mal wieder auf dem Bolzplatz den Ball ins Tor katapultierte – und das alles ohne Verein! Eine einfache Verabredung und die vorherige Auslosung der Mannschaften dann ging es los! Einfach weil jeder Stadtteil einen freizugänglichen Bolzplatz hatte!!!

Die Bolzplatzkultur wurde in die UNESCO-Liste aufgenommen und beschreibt das freie, selbstorganisierte Spielen auf öffentlich zugänglichen Plätzen, geprägt von mündlichen Regeln, spontanen Aushandlungen und sozialem Miteinander.


Herrenschneiderhandwerk


Das Herrenschneiderhandwerk umfasst die feinsäuberlich ausgeführte, handwerkliche Anfertigung durch einen Schneidermeister und die persönliche Passform der exklusiven Herrenbekleidung nach individuellen Maßen. Sie beruht auf tradierten Techniken des Ausbildungsberufes und dem großartigen handwerklichem Können der Schneidermeister.

 

Martinstradition im Rheinland


Die Martinstradition im Rheinland überliefert die bunten Laternenumzüge mit gesungenen Martinsliedern und auch die nachgestellte, sagenhaft überlieferte Mantelteilung des Brauchs, der seit vielen Generationen jedes Jahr am 11. November wieder auflebt.

Auch in Bayern wird diese Tradition gelebt: Wir erlebten den Martinsritt am 15. November 2025 in Ammerland am Starnberger See – er war durch die Freiwillige Feuerwehr organisiert –, wo die Kinder des Ortes laut singend mit dem Hl. Martin und einem echten Pferd durch den Ort zogen.


Schaustellerkultur auf Volksfesten in Deutschland


Die Schaustellerkultur, die wir deutschlandweit auf Volksfesten immer wieder erleben, verbindet technische Attraktionen, traditionelle Handwerkstechniken und gastronomische Angebote. Durch die Menschen, die diese Traditionen Leben und Weitergeben werden unsere Volksfeste zu lebendigen Begegnungsorten.

Das Fest der Schaustellerkultur: Das wir in München demnächst auf dem Frühlingsfest auf der Theresienwiese – dem sogenannte Kleinen Oktoberfest vom 17. April bis zum 10. Mai 2026 wieder live erleben können.


Traditionelle Kleine Küstenfischerei an der Ostseeküste und in den Boddengewässern Mecklenburg-Vorpommerns


Hiermit wird die handwerkliche Fischerei in den küstennahen Gewässern in Ostsee und Bodden in die Liste der UNESCO aufgenommen. So soll das überlieferte Wissen, die traditionelle regionale Praxis und auch die enge Bindung an die Küstengemeinschaften geschützt werden.


Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes


Die UNESCO hat ein Übereinkommen zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes bei einer Generalkonferenz im Jahr 2003 in Paris verabschiedet. Bislang sind 185 Staaten dieser Vereinbarung beigetreten – Deutschland trat im Jahr 2013 bei.

Das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes würdigt kreative, inklusive und innovative Kulturformen

… erfasst exemplarisch lebendige kulturelle Traditionen und Ausdrucksformen in Deutschland. Neue Vorschläge für Aufnahmen in die Liste des Schützungswerten immateriellen Kulturerbes werden von dem offiziellen Fachkomitee Immaterielles Kulturerbe der Deutschen UNESCO-Kommission geprüft und ausgewählt. Insgesamt verzeichnet Deutschland derzeit zehn Einträge auf den UNESCO-Listen des Immateriellen Kulturerbes.


Katharina Binz, Präsidentin der Kulturministerkonferenz und Ministerin für Familie, Frauen, Kultur und Integration des Landes Rheinland-Pfalz, erklärt:  

„Immaterielles Kulturerbe lebt davon, dass Menschen ihre Traditionen im Alltag weitergeben und gemeinsam gestalten. Ob Bolzplatz, Handwerk oder Küstenfischerei – diese kulturellen Praktiken verbinden Generationen und prägen regionale Identität. Dass wir gemeinsam mit der Deutschen UNESCO-Kommission heute fünf weitere Traditionen aufnehmen, zeigt, wie vielfältig und lebendig das kulturelle Erbe in Deutschland ist. Bund und Länder tragen gemeinsam Verantwortung dafür, dieses Wissen und diese Formen des Zusammenlebens auch für kommende Generationen zu bewahren.“


Kulturstaatsminister Wolfram Weimer betont: 

„Das Immaterielle Kulturerbe ist die lebendige Wurzel unseres heutigen kulturellen Selbstverständnisses. Das zeigen die diesjährigen Neuaufnahmen eindrucksvoll. Die Martinstradition im Rheinland vermittelt Werte wie Teilen, Solidarität und Zusammenhalt über Generationen hinweg. Auch das Herrenschneiderhandwerk verbindet traditionelle Handwerkskunst mit zeitgenössischem Design und prägt bis heute maßgeblich die Mode- und Kreativwirtschaft. All das gilt es, zu schützen und für die Zukunft erlebbar zu halten.“


Christoph Wulf, Vizepräsident der Deutschen UNESCO-Kommission, unterstreicht: 

„Immaterielles Kulturerbe entsteht dort, wo Menschen sich einbringen, Wissen teilen und kulturelle Praktiken gemeinsam gestalten. Die Neuaufnahmen in das Bundesweite Verzeichnis zeigen, wie lebendig, offen und wandlungsfähig kulturelle Ausdrucksformen heute sind – getragen von Gemeinschaften, die sich ihrer Geschichte bewusst sind und aktiv an einer vielfältigen Zukunft arbeiten. Denn Immaterielles Kulturerbe ist mehr als ein Blick zurück – es ist gelebte Gegenwart.“



Quelle: Gemeinsame Pressemitteilung der Kulturministerkonferenz, des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und der Deutschen UNESCO-Kommission