Freitag, 20. Februar 2015

Museumsreif - ein Stück Münchner Kulturgeschichte: Die Gewänder der tanzenden Marktfrauen vom Viktualienmarkt

Der Höhepunkt im Münchner Fasching


Den Tanz der Marktfrauen gibt es seit über 100 Jahren. Bis in die 1980er Jahre tanzten sie auf dem Viktualienmarkt an ihren Ständen. Seit 25 Jahren gibt es diese Tradition am Faschingsdienstag auf einer Bühne im Biergarten des Marktes in München. 


Text und 7 Fotos von Helga Wäß


1 Foto mit freundlicher Genehmigung der Marktfrauen

Der Viktualienmarkt hat sie hervorgebracht. Die Stars des Münchner Faschings: Die Tanzenden Marktfrauen. Sie sind über München hinaus längst ein feststehender Begriff. Bis Japan hat man von ihnen gehört und ganz Deutschland kennt sie aus den TV-Nachrichten um 19:30 und 20:00 in ZDF und ARD.



Tanz der Marktfrauen auf der Bühne, Viktualienmarkt in München,
 Foto: Helga Waess

Faschingsdienstag 10 Uhr, Viktualienmarkt in München


Am letzten Faschingstag um 10 Uhr treten sie auf. Jedes Jahr. Bei jedem Wetter. Dann schweben sie in ihren bunten Kostümen, die jedes Jahr wieder überraschen, über die Bühne auf dem Viktualienmarkt. Sie tanzen und lachen sich in die Herzen der Zuschauer.


Tanz der Marktfrauen, Viktualienmarkt München, Foto; Helga Waess

Und selbst Oberbürgermeister Dieter  Reiter war dabei und machte mit - ebenso wie sein Vorgänger Christian Ude im Jahr 2014. Der Münchner Merkur Online war dabei und zeigt einen Live-Stream zum Tanz der Marktweiber (hier der Link).



Ex-Oberbürgermeister Christian Ude und der Stadtpfarrer von Heilig Geist mit den Marktfrauen beim Tanz,
Foto: Helga Wäß

Die tanzenden Marktfrauen gehören zu den jährlichen Kultur-Events Münchens


Vor dem Tanz gibt es in jedem Jahr viele Proben. Im letzten Jahr durften wir bei der Tanzprobe vor dem großen Auftritt dabei sein und erlebten pure Lebensfreude und unbedingte Disziplin - selbst wenn es zuvor ein langer, harter Markttag war. Sobald Tanzlehrer  Christian Langer, Choreograph und ADTV Tanzlehrer (Tanzschule Neubeck), in die Hände klatschte schien der Tag vergessen und der große Auftritt stand im Vordergrund.

 Marktfrauen vom Viktualienmarkt in München während der Probe,
 2014, Foto: Helga Waess

Hier ein Link zu unserer REPORTAGE über die Tanzenden Marktweiber vom Viktualienmarkt in München in Schwänchen's eMagazin: „Wenn die berühmtesten Marktfrauen der Welt tanzen“ 


Sie sind ein Stück gelebte Münchner Kulturgeschichte und daher museumsreif: Die Gewänder der tanzenden Marktfrauen vom Viktualienmarkt



Wie die Bavaria Bayern verkörpert, so stehen diese Marktfrauen für den Viktualienmarkt und jede für ihren Schwerpunkt. Jede stellt beim Tanz am Faschingsdienstag mit ihrem Kleid das da, was sie verkauft. Hinzu kommen Accessoires, so wie die grün geschmückten Girlanden für den Bogentanz. Hieran finden sich dann Blumen für die Blumenfrauen, Käsestücke für die Käsefrauen und so weiter. 

Die Marktfrauen mit Christian Langer in den Kleidern von 2013,
Foto: Marktfrauen

Jedes Jahr gibt es neue Kleider. Sie sprechen nur die Farben ab, damit es bunt wird. Zweimal sind die meisten von ihnen in den letzten fünf Monaten nach Wien gefahren: zur Anprobe. Viele der kreativen Kleider der Marktfrauen ersinnt Schneider Amand Ricardo Castilla de Perez aus Wien  gemeinsam mit den Frauen. Zwei Marktfrauen haben ihre Gewänder selbst genäht oder haben einen Schneider vor Ort. Am Ende waren aber immer alle Kostüme zur Generalprobe fertig. Wie sagte die Honigfrau bei der Probe:
„Ja, ja! Fasching ist irgendwie wie Weihnachten, plötzlich und unerwartet ist es wieder so weit. Und dann muss das Kleid halt fertig werden. In der letzten Nacht."

Tanz in den Gewändern von 2014, Foto Helga Waess
Alle Tanzkleider werden aufbewahrt. Uns kommt bei den vielen Geschichten um diese Faschingstradition der Gedanke: 
es wäre doch ein schön, wenn man eine Ausstellung in der Kostümabteilung des Münchner Stadtmuseums anregen könnte.

Die "Marktweiber", wie sie sich selber gerne nennen, würden auch hieran mit Herz und Seele aktiv mitarbeiten und Leihgaben sehr gerne zur Verfügung stellen; oder gar in die Sammlung des Museums geben.

Verzaubernde Gewänder mit traditionellen Standl-Motiven wie Blumen, Obst, Käse etc.,
Foto: Helga Waess

Professionelle Choreografie durch Christian Langer 


Seit zehn Jahren schwingt ein Mann das Zepter bei den Weibern. Der 40-jährige Christian Langer choreografiert den „Tanz der Marktweiber“ in ihren bunten und fröhlichen Gewändern. Damit hat sich der Tanzlehrer selbst verwirklicht. Mit seiner Leidenschaft für den Tanz, stecken er und seine Marktweiber jedes Jahr tausende Besucher an. Wir haben ihn im Jahr 2014 interviewt. 
Hier ein Link zum Interview "Die Marktfrauen sind toll"


"Die tanzenden Marktweiber" wurden 2014 umbenannt in die tanzenden MarktFrauen
- diese Idee der Veranstalter wurde von den Marktweibern belächelt - "Mia san Marktweiber, Punkt!"
Da hilft auch kein geändertes Plakat!
Foto: Helga Waess
Weitere Informationen wurden in einem Buch über die Marktfrauen veröffentlicht. Hierzu der Link zur Homepage der Marktweiber.

Freuen wir uns auf das nächste Jahr und auf den Faschingsdienstag, wenn der Ruf der Marktweiber über den Viktualienmarkt schallt:

 „Wie samma?“
„Gut samma!“
Was samma?“
„Marktweiber! Mei san mir guaaaaaat!"


IN FILMBEITRÄGEN WAREN ALLE TV-SENDER DABEI:

BAYERISCHER RUNDFUNK: "Fasching in München. Tanz der Marktfrauen auf dem Viktualienmarkt", 17.02.2015, 16:45 Uhr, Bayerisches Fernsehen
Hier der Link zur Mediathek des BR mit dem VIDEO zu TANZ der MARKTFRAUEN

BAYERISCHER RUNDFUNK: "Tanz der Marktweiber Mit flatternden Röcken in den Faschingsendspurt", 17.02.2015, 14:00 Uhr, BR.de, 1 Min.
Hier der Link zur Mediathek des BR mit dem VIDEO

MÜNCHNE,TV: Und in München TV Mit Oberbürgermeister Dieter Reiter in der Tram Nr. 8 und
den Marktweiber "mit wehenden Röcken und verrückten Hüten"
Hier der Link zum Beitrag in München.tv 

BAYERISCHER RUNDFUNK: "Abendschau des BR Faschingsdienstag. Feiern in Bayern"
17.02.2015, 18:00 Uhr, Bayerisches Fernsehen, 2 Min.
- unter anderem mit dem Tanz der Marktfrauen 





DHW - hier der Link Homepage der Autorin