Zehn neue UNESCO-Welterbestätten
10 Neue unter den UNESCO-Welterbestätten : Die königlichen Festungen der Kapetinger im Languedoc (Frankreich) , der Olymp (Griechenland) und die Landungsstrände der Alliierten, Normandie, 1944 (Frankreich) zählen zu den 10 Neuaufnahmen ... und es geht weiter ...
Erster Eintrag für São Tomé und Príncipe auf Welterbeliste
Heute wurden zehn neue Stätten in die Welterbeliste aufgenommen. Das beschloss das zuständige UNESCO-Komitee auf seiner aktuellen Tagung in Busan, Südkorea. Zu den Aufnahmen gehören unter anderem die alliierten Landungsstrände in der Normandie von 1944 und das Naturerbe von Boma-Badingilo im Südsudan, das zugleich in die Liste gefährdeter Welterbestätten aufgenommen wurde. Der westafrikanische Inselstaat São Tomé und Príncipe verzeichnet seinen ersten Eintrag auf der Welterbeliste: Aufgenommen wurden die Roças, Zeugnisse mehrerer Plantagen aus der portugiesischen Kolonialzeit. Zudem wurden die Siedlungen der Berliner Moderne um die Waldsiedlung Zehlendorf erweitert.
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| SZ - Zeppelin, Foto: Helga Waess (Pressefotoarchiv Kunst-Kultur-Blog, München) |
Das Welterbekomitee setzt seine Beratungen über weitere Aufnahmen in die Liste des Kultur- und Naturerbes der Welt morgen fort ...
Folgende Stätten wurden in die Liste aufgenommen
Siedlungen der Berliner Moderne (Deutschland)
Die Berliner Siedlungen der Moderne gehören seit 2008 zum UNESCO-Welterbe und wurden jetzt um die Waldsiedlung Zehlendorf erweitert. Sie zeigen beispielhaft, welche Antworten im frühen 20. Jahrhundert auf die Wohnungsfrage gefunden wurden. Mit ihrer Kombination aus Stadtplanung, Architektur und Gartengestaltung sowie der Anwendung neuer sozialer und Hygienestandards sind sie Ausdruck einer breiten Reform des Wohnungs- und Siedlungsbaus. Die nun sieben Welterbe-Siedlungen stehen damit für einen entscheidenden Aufbruch: für bessere Wohnbedingungen, modernes Planen und ein neues Verständnis vom Leben in der Stadt.
Weitere Neuaufnahmen
Werke Aaltos (Finnland)
Die Arbeiten des Architekten Alvar Aalto in Finnland umfassen dreizehn moderne Gebäude und Ensembles, die zwischen den späten 1920er- und den 1980er-Jahren entstanden sind. Sie zeigen, wie Alvar Aalto gemeinsam mit seinen Ehefrauen Aino Marsio-Aalto und später Elissa Aalto sowie dem Aalto-Studio die Ideen der Moderne mit lokalen Bautraditionen verband. Die Arbeiten der Aaltos zeichnen sich durch eine ebenso orts- wie menschenbezogene Planung aus. Die Bauwerke sind sorgfältig in ihre Umgebung eingebettet und von einem sensiblen Umgang mit Licht, Raumfolgen und natürlichen wie industriellen Materialien geprägt.
Die königlichen Festungen der Kapetinger im Languedoc (Frankreich)
Im Südwesten Frankreichs entstand im 13. und 14. Jahrhundert unter der Herrschaft der Kapetinger ein dichtes Netz von Befestigungen, das von Carcassonne aus verwaltet wurde. Die Anlagen dienten dem Schutz eroberter Gebiete, der Kontrolle von Verkehrswegen und der Durchsetzung königlicher Macht. Zum System gehören die Burg Carcassonne mit ihren doppelten Ringmauern sowie mehrere Festungen in der felsigen Landschaft zwischen Montagne Noire und den Pyrenäen. Sie zeugen von einer standardisierten, für die Ebenen der Ile-de-France entwickelten Wehrarchitektur, die sorgfältig an die topografischen Gegebenheiten des neuen Terrains angepasst wurde.
Landungsstrände der Alliierten, Normandie, 1944 (Frankreich)
Die Strände der alliierten Landung in der Normandie stehen für einen Wendepunkt des Zweiten Weltkriegs. Hier wurde am 6. Juni 1944 eine neue Front gegen das nationalsozialistische Deutschland eröffnet. Die Stätte erinnert an die großen menschlichen Opfer zur Befreiung Europas und die enge militärische, logistische und politische Zusammenarbeit der Alliierten. Als Ort der Erinnerung ist die Küste bis heute untrennbar mit einem der folgenreichsten Ereignisse des 20. Jahrhunderts verbunden, das den Anfang vom Ende des Krieges in Westeuropa markiert. Das Welterbe umfasst die fünf Landungsstrände Utah, Omaha, Gold, Juno und Sword Beach sowie die Steilküste von Pointe du Hoc.
Die weitere Umgebung des Olymp (Griechenland)
Der Olymp ist der höchste Berg Griechenlands und ein zentraler Bezugspunkt der griechischen Mythologie. Die dramatische Landschaft prägte die Vorstellungen der antiken Griechen von der göttlichen Welt, wovon unter anderem die Überreste eines Zeus-Heiligtums auf dem Gipfel Agios Antonios zeugen. Am Fuß des Olymp befindet sich mit Dion zudem eines der bedeutendsten religiösen Zentren der antiken griechischen Welt. Von hier aus verbreiteten sich die mit dem Olymp verbundenen Mythen und religiösen Vorstellungen und beeinflussten über Jahrtausende Literatur, Kunst und Kultur. Zugleich gehört die Region zu den artenreichsten Gebirgslandschaften Europas. So verbindet die Stätte auf einzigartige Weise Naturerbe und Kulturgeschichte.
Die Burg Alamūt und zugehörige Befestigungsanlagen (Iran)
Im Elburs-Gebirge im Norden Irans liegen sieben Burgen und Befestigungen, die eng mit der Geschichte der Nizariten – auch als Assassinen bekannt – verbunden sind. Im Zentrum steht die Burg Alamūt, die auf einem steilen Felsrücken in 2.100 Metern Höhe errichtet wurde. Sie wurde im späten 11. Jahrhundert zum politischen Zentrum des nizaritisch-ismailitischen Staates. Alamūt und die Festungen im darunterliegenden Tal zeigen, wie eng die strategische Lage, die Wehrarchitektur und politische Organisation der Nizariten miteinander verbunden waren. Zugleich zeugen sie von den kulturellen Traditionen, die sich hier zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert entfalteten.
Das System der italienischen Condominio-Theater des 18. und 19. Jahrhunderts in Mittelitalien (Italien)
Die italienischen Condominio-Theater in Mittelitalien stehen für einen grundlegenden Wandel der Theaterkultur im 18. und 19. Jahrhundert. Aus Orten aristokratischer Unterhaltung wurden kulturelle Einrichtungen, die vom aufstrebenden Bürgertum getragen wurden. Möglich machte dies ein besonderes Modell gemeinschaftlichen Eigentums: Öffentliche Stellen und wohlhabende Bürgerinnen und Bürger finanzierten Bau und Betrieb zusammen. Das ermöglichte die Verbreitung von Theatern auch in kleineren Städten und machte sie zu Räumen architektonischer Innovation und gesellschaftlicher Begegnung. Viele dieser Häuser sind bis heute lebendige Zentren des kulturellen Lebens.
Alte Hauptstädte Asuka und Fujiwara (Japan)
In Japan erinnern zahlreiche archäologische Fundstätten an die frühen aufeinanderfolgenden Hauptstädte Asuka und Fujiwara, die zwischen dem 6. und 8. Jahrhundert entstanden. Palast- und Verwaltungsanlagen, Tempel und Grabhügel zeigen, wie sich auf dem japanischen Archipel unter dem Einfluss Chinas und der koreanischen Halbinsel ein zentralisierter Staat herausbildete. Die Stätte steht für die Verbindung lokaler Traditionen mit neuen politischen, religiösen und baulichen Konzepten. So zählt mit Asuka-dera auch der erste buddhistische Tempel Japans zum Welterbe. Von Asuka und Fujiwara gingen wichtige Impulse für die Entwicklung späterer Hauptstädte wie Nara und Kyoto aus. Die Stätte dokumentiert damit einen entscheidenden Abschnitt der Stadtentwicklung und Staatsbildung in Ostasien.
Roças von São Tomé und Príncipe: Koloniales Agrarsystem und Zwangsmigration (São Tomé und Príncipe)
Die Roças sind sechs ehemalige portugiesische Plantagenanlagen auf den westafrikanischen Inseln São Tomé und Príncipe, die einst dem großflächigen Anbau von Kaffee und Kakao dienten. Sie erinnern an ein koloniales Wirtschaftssystem, das vom späten 19. bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts trotz offizieller Abschaffung der Sklaverei auf Zwangsarbeit beruhte. Viele Gebäude und technische Anlagen der Roças – Anbauflächen, Fabriken und Wohnbereiche – sind bis heute erhalten und machen die Funktionsweise des historischen Plantagensystems ersichtlich. Die Stätte ist für São Tomé und Príncipe der erste Eintrag auf der UNESCO-Welterbeliste.
Boma-Badingilo (Südsudan)
Boma-Badingilo im Südsudan umfasst weite Savannen, Überschwemmungs- und Feuchtgebiete sowie Waldlandschaften zwischen der ostsudanesischen Savanne und dem Sudd, einem der größten Sumpfgebiete weltweit. Das Gebiet beherbergt eine der letzten großen Tierwanderungen der Erde. Dank eines weitgehend unzerschnittenen Netzwerks aus Wanderkorridoren und saisonalen Lebensräumen ziehen jedes Jahr Millionen Weißohr-Moorantilopen, Tiangs und Mongalla-Gazellen durch das Gebiet und folgen den jahreszeitlichen Veränderungen von Wasser- und Nahrungsangebot. Die Wanderung prägt die ökologischen Prozesse der Region. Neben den großen Antilopenherden bietet die Region Lebensraum für Elefanten, Löwen, Leoparden, Wildhunde und andere Arten. Boma-Badingilo wurde aufgrund von Wilderei, Siedlungsdruck und Landnutzungskonflikten zudem in die Liste des gefährdeten Welterbes aufgenommen.
Taschkents Architektur der Moderne: Moderne und Tradition in Zentralasien (Usbekistan)
In der usbekischen Hauptstadt Taschkent verbinden sich sozialistische Stadtplanung, die Architektur der Moderne und lokale Bautraditionen auf eindrucksvolle Weise. 1966 wurden große Teile der Stadt von einem Erdbeben zerstört. Mehrere Bauwerke und Ensembles aus den Jahrzehnten nach der Naturkatastrophe verbinden großzügige Freiräume, moderne Baustoffe und erdbebensichere sowie klimaangepasste Lösungen mit Elementen traditioneller zentralasiatischer Architektur wie Höfen und Loggien. So entstand ein unverwechselbares Stadtbild, in dem standardisierte sowjetische Planung und ortsbezogene Gestaltung zusammenwirken. Taschkent ist damit ein herausragendes Beispiel für eine „lokalisierte Moderne“ in Zentralasien.
Hintergrund
Das UNESCO-Welterbekomitee tagt vom 19. bis 29. Juli in Busan, Südkorea. Es ist das wichtigste mit der Umsetzung der Welterbekonvention betraute Gremium. Es entscheidet in der Regel jährlich über die Einschreibung neuer Kultur- und Naturstätten in die Welterbeliste und befasst sich mit dem Erhaltungszustand eingeschriebener Stätten. Für die UNESCO-Liste des Kultur- und Naturerbes der Welt sind in diesem Jahr rund 30 Stätten nominiert. Derzeit vereint sie mehr als 1.250 Kultur- und Naturstätten in 172 Ländern. 59 davon gelten als bedroht. Deutschland verzeichnet aktuell 55 Welterbestätten.





