München-Tipp: Ausstellung führt an die Anfänge der Porträt- und Genrefotografie
Alte Pinakothek : Menschenbilder. Porträt- und Genrefotografien aus der Sammlung Dietmar Siegert
13. OKTOBER 2026 - 31. JANUAR 2027 - Ausstellung: wird in der Alten Pinakothek im Erdgeschoss Ostflügel Kabinett IIC gezeigt - Meisterwerke der Neuen Pinakothek in der Alten Pinakothek (Italiano, Francais, Deutsch, English)
München. Seit 2014 besitzt die Neue Pinakothek die rund 10.000 Fotografien umfassende Italien-Sammlung von Dietmar Siegert (der Link führt zu unserem Blogartikel über die Sammlung online). Die Neue Pinakothek zeigt italienische Porträt- und Genrefotografien die im 19. Jahrundert entstanden und bald die gezeichneten und gemalten Bildnisse ersetzen sollten. Durch das Medium der Fotografie vollzog sich schnell ein Wandel, der für Künstler und Porträtmaler zu geringeren Aufträgen führte. Die in der Ausstellung in München gezeigten Bilder von Menschen eroberten die Wände und Alben. Adelsfamilien vergaben ein Privileg des königliche Hoffotografen, die sie fotografieren und die Aufnahmen auch vermarkten konnten. Jeder konnte sich so ein Foto von Prominenten Zeitgenossen kaufen. Porträts zählen bis heute zu den am weitesten verbreiteten Motiven der Fotografie. Herbert W. Rott, der Sammlungsdirektor Neue Pinakothek und Sammlung Schack hat aus dem Fundus der Sammlung Dietmar Siegert eine Ausstellung kuratiert, die anhand von rund 50 Beispielen den Zeitenwandel im Auftragsbildnis und der Genredarstellung mit fotografischen Mitteln dokumentiert. Die Neue Pinakothek stellt diese Aufnahmen-Ausstellung aufgrund der Renovierungsarbeiten im eigenen Haus ab dem 13. Oktober in der Alten Pinakothek aus.
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| Alte Pinakothek in München, Pressefotoarchiv: Helga Waess |
Im 19. Jahrhundert trat das fotografierte Porträt bald an die Stelle des gezeichneten oder gemalten Bildnisses
Der Besucher der Ausstellung kann einen Blick in Anfänge der Fotografie werfen und in die Zeit bzw. in die Augen der Menschen des 19. Jahrhunderts. Wie ließ man sich darstellen. Repräsentation war das oberste Gebot in der frühen Porträtfotografie!
Das bevorzugte Format war die Carte de visite
Diese schwarz-weißen Fotografien in der Größe einer Visitenkarte konnten einfach und relativ schnell hergestellt werden. Sie wurden in Alben gesammelt oder gerahmt und auf kleinen Ständern in den Wohnstuben präsentiert.
In der Münchner Ausstellung blicken wir weit zurück in die Italienische Fotografie-Geschichte:
Wir sehen den wachsenden bürgerlichen Wohlstand – eine Fotografie war ein kleiner Luxus, den sich bald viele leisten konnten.
In der Entwicklung der Fotografie zum Massenphänomen waren die kleinformatigen Porträts eine regelrechte ‚Killer Application‘: Sie beförderten früh den ökonomischen Erfolg des neuen Mediums sowie dessen rasche Verbreitung
Die Neue Pinakothek verfügt über eine umfangreiche Sammlung von Fotografien des 19. Jahrhunderts aus Italien
Zumeist handelt es sich bei den Motiven um Landschaften und architektonische Monumente von Venedig bis Neapel. ....
Aber auch der Mensch spielte in den Anfängen der Fotografie eine wichtige Rolle und ließ sich entsprechend standesgerecht ablichten: als Individuum oder als Vertreter einer bestimmten sozialen Schicht.
Waren im 18. und 19. Jahrhundert noch gemalte Einzel- oder Familienporträts gefragt - wenn man es sich leisten konnte ... Ein Foto war schnell gemacht und in vielen Größen bestellbar ...
So kam mit dem Fotoapparat ein Wandel in der zeitgeschichtlichen Bild-Dokumentation auf, der bald vielen neuen bürgerlichen Schichten die Möglickeit gab, das eigene Konterfei an der Wand oder im Album zu präsentieren und schöne Erinnerungen im Bild festzuhalten und zu sammeln.
Die Ausstellung Menschenbilder. Porträt- und Genrefotografien dokumentiert den Beginn dieser Entwicklung hin zum Massenmedium.
Aus dem Fundus der Sammlung Dietmar Siegert wurden
Menschenbilder. Porträt- und Genrefotografien zuammengestellt,
die uns heute zeigen, was den Auftraggebern oder den Fotografen in diesen Dokumenten der Bildgeschichte in ihrer Zeit wichtig war
In Italien war die Porträtfotografie populär.
Porträts der letzten Bourbonen auf dem Thron des Königreichs beider Sizilien in Neapel stehen neben Angehörigen der papsttreuen Adelsfamilien in Rom. Die italienische Einigungsbewegung, das Risorgimento, erhielt durch die zahlreichen Porträts ihres Helden, Giuseppe Garibaldi, ihr Gesicht – Beispiele für zahlreiche berühmte Zeitgenossen und Celebrities, die sich auf kleinen Cartes de visite imagefördernd verewigen ließen. So entsteht im intimen Format der Carte de visite ein Panorama der italienischen Gesellschaft und ihrer Gegensätze in den Jahren um 1860.
Im Angebot der großen italienischen Studios spielte zudem die Genrefotografie eine besondere Rolle:
Sie dokumentierte die Kultur der Regionen und vermittelte ein Bild des Volkes, das nach innen wie nach außen identitätsstiftend wirkte. Seien es die ländliche Bevölkerung der Römischen Campagna oder die fliegenden Händler auf den Straßen von Neapel – beide waren ein Gegenmodell zur westeuropäisch geprägten modernen Zivilisation. Das Fortwirken antiker und christlicher Traditionen und das freizügige Leben unter südlicher Sonne wirkten inspirierend und standen für Natürlichkeit und Ursprünglichkeit. Auch diese Motive fanden im Format der Carte de visite weite Verbreitung.
Unser Blogartikel zur Sammlungspräsentation-Online:
Fotografie in Italien 1846-1900 - Sammlung Dietmar Siegert
(ENGLISH, DEUTSCH, ITALIANO, FRANÇAIS)
Seit 2014 besitzt die Neue Pinakothek die rund 10.000 Fotografien umfassende Italien-Sammlung von Dietmar Siegert. Sie wurde vom Pinakotheks-Verein in Verbindung mit der Ernst von Siemens Kunststiftung und der Sparkassen-Finanzgruppe für einen siebenstelligen Betrag erworben und ergänzt den Italien-Schwerpunkt des Museums mit Gemälden und Skulpturen, der auf den Museumsgründer König Ludwig I. von Bayern zurückgeht.
Menschenbilder. Porträt- und Genrefotografien
aus der Sammlung Dietmar Siegert
Die Ausstellung zeigt rund 50 dieser kleinformatigen Porträt- und Genreaufnahmen. Hinzu kommen zwölf größerformatige Fotografien mit Genrestudien aus der römischen Campagna, Neapel und Sizilien von Fotografen wie Filippo Belli, Giorgio Sommer und Wilhelm von Gloeden.
Die Fotografien stammen aus der Sammlung Dietmar Siegert, die der Pinakotheks-Verein in Verbindung mit der Ernst von Siemens Kunststiftung und der Sparkassen-Finanzgruppe 2014 für die Neue Pinakothek erworben hat.
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| Neue Pinakothek in München - Haupteingang vor der Renovierung - Pressefotoarchiv: Helga Waess |
Menschenbilder. Porträt- und Genrefotografien aus der Sammlung Dietmar Siegert
Meisterwerke der Neuen Pinakothek
in der
Alten Pinakothek
Alte Pinakothek 13.10.2026 — 31.01.2027
Erdgeschoss, Ostflügel, Saal IIc
Informationen zur Ausstellung:
- www.pinakothek.de/menschenbilder-sammlung-siegert
Weitere Informationen zur Sammlung Siegert finden Sie auf der neuen Website:
- www.fotografie-in-italien.pinakothek.de

